Neues Bauen
Das Neue Bauen beschreibt eine architektonische Stilrichtung, die sich nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gegen den weitverbreitenden Historismus abgrenzte. Der Begriff „ Neues Bauen“ wurde bereits bei einer Ausstellung im Mai 1920 publik gemacht, an der führende und wegweisende Architekten teilgenommen haben.
Die Stilrichtung an sich steht für den Wiederaufbau der zerstörten und verwüsteten Städte nach dem zweiten Weltkrieg. Die Nutzung neuer Materialien und architektonischer Neuerungen standen im Vordergrund. Ebenso wie einige andere Architekturströmungen hat auch das Neue Bauen den von Louis Sullivan geprägte Ausdruck „ form follows function“ als Leitsatz ausgewählt. Die Form soll also durch die jeweilige Funktion bedingt bzw. bestimmt werden. Hinzu kam die Entwicklung neuer Baustoffe, die es ermöglichten die neuen Formen auch zu realisieren. Vor allem die Entdeckung des Stahlgusses und des Skelettbaus ebnete den Weg für eine ungeahnte Vielfalt an gestalterischen Möglichkeiten. So konnten Teile in der Industrie vorgefertigt werden und direkt auf die Baustelle transportiert werden, somit wurde enorm viel Zeit und Geld gespart. Hierdurch konnte auch in einer relativen kurzen Zeitspanne extrem viele Gebäude entworfen und errichtet werden. Bei der Verarbeitung standen insbesondere Materialien wie Glas, Beton und Stahl im Vordergrund.
Wer sich ein genaues Bild der Materialien, dessen Verarbeitung und den damit verbundenen Rohbau machen möchte, der kann sich in einem Fotobuch Beispiele zu diesen genauer betrachten. Auch gibt es eine Vielzahl von Dokumentarfilmen welche einen genauen Eindruck des 'neuen Bauens' vermitteln.
Keine andere architektonische Stilrichtung wurde so von der Ökonomie geprägt wie das Neue Bauen. Aufgrund der in großer Anzahl benötigten Gebäude für die vielen Menschen, deren Häuser zerstört waren, standen die Klarheit der Formgebung und die Zweckmäßigkeit der Gebäude im Vordergrund. Schmückende und verzierende Elemente wurden hierbei als Geld-und Zeitverschwendung angesehen. Vielmehr gab es eine Aneinanderreihung von vielen, gleichartigen Elementen. Durch die Fortschritte in der Architektur wie z.B. die Erkenntniss, dass man tragende Elemente auf einzelne Punkte beschränken kann, erlaubten völlig neue Möglichkeiten im Bezug auf Formgebung und Design von Häusern, nebenbei wurde der konstruktive Aufwand um einiges verringert.
Zu den Bauaufträgen des Neuen Bauens gehörten sowohl große Villen, Wohnungssiedlungen und öffentliche Einrichtungen, wie Schulen oder Kaufhäuser. Das Spektrum war also weit gefächert, sodass eine Menge Bauten als ideale Beispiele für das Neue Bauen angeführt werden können, allen voran die Akademie der Bildenden Künste und Gobelinmanufaktur in Nürnberg, die von Sep Ruf entworfen und gebaut worden ist.
Nach dem Ende des Krieges zeichnete sich vor allem im Bereich der Baubranche ein geradezu unvergleichlicher Wandel ab. Die Ära des Historismus' war out, das so genannte Neue Bauen war geboren und wurde gesellschaftsfähig. Im Zuge dessen erhielt vor allem auch der Stahlbau einen völlig anderen Stellenwert. Und selbst heute noch wird dieser speziellen Sparte ein ganz besonderer Stellenwert beigemessen. Kein Wunder, angesichts der zum Teil immensen Leistungen, die man im Stahlbau immer wieder bewundern kann!